Aufregung um Überstunden nach Konkurs!

Aufregung um Überstunden nach Konkurs!
Trumau

Nach dem Umbau des Volksheimes in Trumau wurde 2002 auch ein Gastronomiebetrieb dort untergebracht. Seit vielen Jahren wurde das Lokal von der „Volksheim Betriebsstätten GmbH“ betrieben, deren Eigentümer der Verein Volksheim Trumau ist. Im September dieses Jahres ging das Unternehmen in den Konkurs und das Lokal wurde dicht gemacht.

Jetzt erheben die ehemalige gewerbe- und handelsrechtliche Geschäftsführerin und ihr Mann, er war als Koch angestellt, Vorwürfe, sie würden um mehr als 2.500 Überstunden umfallen. Verantwortlich für diese Situation machen sie den Verein Volksheim Trumau, in dessen eingetragenen Vorstand vier SPÖ Gemeinderäte sitzen, sowie im erweiterten Vorstand auch Bürgermeister Nationalrat Andreas Kollross.

„Wir haben immer wieder gesagt, dass die Öffnungszeiten angepasst werden müssen. Wir haben an manchen Tagen 14 Stunden und mehr gearbeitet, ohne für Überstunden bezahlt zu werden“, so die Geschäftsführerin Sandra S. „Ich finde es einfach schäbig, wie mit uns umgegangen wird. Wir haben nächtelang gearbeitet und sollen jetzt kein Geld bekommen?“

Mitte August schrieb der Anwalt der beiden, Gottfried Forsthuber – er ist auch ÖVP Gemeinderat in Baden – einen Brief an den Verein Volksheim: „Freundlich und um eine Lösung bemüht“, wie er sagt. „Der Vorstand des Verein Volksheim besteht fast nur aus SP-Gemeinderäten, der Bürgermeister und Nationalrat Kollross war bestimmt informiert. Als Geld gefordert wurde, haben die SP-Vertreter den Laden eiskalt dicht gemacht.“, und Forsthuber sieht es politisch: “Ihre Kampagne gegen den sogenannten 12h-Arbeitstag wirkt fragwürdig, betrachtet man das SPÖ-Verhalten in diesem Fall.“

Der Obmann des Vereins, der geschäftsführende SPÖ Gemeinderat Jürgen Pitschmann sieht die Situation im Gespräch mit der NÖN anders. „Ich als Obmann, aber auch der Verein waren nie in die aktive Geschäftsführung eingebunden. Dafür hatten wir ja die Geschäftsführerin eingestellt. Ihre Aufgabe war es, Dienstpläne zu erstellen und die Mitarbeiter einzuteilen. Ich bin erst seit Ende 2017 Obmann des Vereins, seither wurden schon einmal, insgesamt sogar vier Mal, die Öffnungszeiten verändert“, so Pitschmann. Er erinnert sich, dass es Anfang des Sommers noch einen Gesellschafterzuschuss seitens des Vereins gab. „Ich habe damals gefragt, ob es sonst noch offene Verbindlichkeiten gibt, was verneint wurde“, so der Obmann. Auch der Vorwurf, der Verein habe die Firma nach der Forderung der beiden Angestellten in Konkurs geschickt, ist aus seiner Sicht falsch. „Es gab bereits eine Konkursandrohung der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse bezüglich offener Forderungen. Daher musste die Geschäftsführerin den Konkurs anmelden“, so Jürgen Pitschmann.

Bürgermeister und Nationalrat Andreas Kollross ärgert sich über Presseberichte zu dem Fall und dass man ihm persönlich vorwirft, mit der Angelegenheit in Verbindung zu stehen. „Ich hatte keinerlei Einblick in den aktiven Geschäftsprozess und ich habe auch nie vorgeschrieben, wann das Lokal offen sein muss“, wehrt er sich gegenüber den Anschuldigungen. „Mir kommt es nur seltsam vor, dass einer von zwei Köchen keine einzige Überstunde hat, der andere über tausend“, so Kollross. Er sieht dahinter vor allem ein politisches Motiv: „Es ist für mich klar der Versuch eines ÖVP Gemeinderates aus Baden (Anwalt Gotfried Forsthuber Annahme der Redaktion), hier einen politischen Skandal zu produzieren und scheinbar wird er dabei von unserer örtlichen FPÖ unterstützt“, so der verärgerte Ortschef.

Da die angeblichen Überstunden zum Teil schon mehr als sechs Monate zurück liegen und die eine Angestellte als gewerbe- und handelsrechtliche Geschäftsführerin in einer Leitungsfunktion stand, wird nur ein kleiner Teil der geforderten Überstunden vom Insolvenzentgeldsicherungsfond bezahlt. Anders wäre es, wenn die Geschäftsführung komplett weisungsgebunden gewesen wäre und die Geschäftsführung defakto wo anders gelegen wäre. Ob das der Fall ist, werden wohl Gerichte klären müssen.

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