Gesichtete „Katze“ ist echter Serval!

Gesichtete „Katze“ ist echter Serval!
Oberwaltersdorf

Anfang Oktober staunten Passanten, als ihnen plötzlich am Spazierweg in der Au zwischen Oberwaltersdorf und Tattendorf eine exotische Katze entgegen kam. Unter den Passanten war auch der Oberwaltersdorfer Gemeinderat Berndt Gössinger. Ihm gelang es ein Foto von der Katze zu machen. Wie die Recherchen der MONATSREVUE ergaben, handelte es sich insgesamt um zwei Katzen. „Diese sorgten bereits für mehrere Einsätze und zahlreiche besorgte Anrufe“, bestätigte die Polizei. Auch die Feuerwehr wurde Anfang September alarmiert, um die Katzen einzufangen. Eigentümer der beiden exotischen Katzen ist ein Russe, der im Fontana Wohnpark lebt. 

Nach einem Online-Bericht der MONATSREVUE berichteten auch sämtliche österreichische Tageszeitungen über den Vorfall. Die Artikel riefen auch die Krone-Tierexpertin Maggie Entenfellner auf den Plan. In der Krone berichtete sie, dass es sich bei der Katze um einen echten Serval und somit um ein Raubtier handelt. Im Kurier tags darauf dementierte Bezirkshauptmann Dr. Heinz Zimper den Krone-Bericht. Es handle sich um eine Kreuzung aus Wild- und Hauskatze, in fünfter Generation sei deren Haltung erlaubt, hieß es. „Die Bezirkshauptmannschaft hat das anlässlich der Aufregung neuerlich überprüft“, hieß es im Kurier. Weiters wurde versichert, dass der Besitzer dafür Sorge trägt, dass das Tier nicht mehr herumstreunt.

Noch am selben Tag staunten der Oberwaltersdorfer Dominik G. und seine Freundin Katja W. nicht schlecht, als sie vor dem Kindergarten mit ihrem Pkw parkten und plötzlich eine der beiden Katzen auf sie zukam. Dominik griff sofort zum Telefon und verständigt die Polizei. Dort wurde er aber mehrfach abgewimmelt. „Sie meinten, sie kümmern sich drum, legten dann aber sofort auf ohne zu fragen wo genau das war.“ Daher machte sich der junge Oberwaltersdorfer selbst auf den Weg zur Wohnadresse des Besitzers, welche er von einem Feuerwehrmann erfahren hatte. Dort angekommen traf er nur auf eine russisch sprechende Frau. „Als ich „Serval“ sagte, verstand sie sofort um was es ging und kam mit mir. In der Zwischenzeit folgte Katja der Katze und so konnte sie von der Besitzerin eingefangen werden“.

Die beiden machten auch Fotos von der Katze. Nach neuerlichen Berichten der MONATSREVUE und in den Tageszeitungen bat uns die Krone-Tierexpertin gemeinsam mit einem Serval-Experten zu einem Lokalaugenschein in Oberwaltersdorf. Da der Besitzer aber nicht vor Ort war, konnte der Experte Anton Rehberger mit dem Besitzer nur telefonieren, später auch persönlich sprechen.

„Zu Gesicht bekommen habe ich die beiden Katzen aber nicht“, so Rehberger, der selbst bis vor einigen Jahren Servale gehalten hatte. Doch seit einigen Jahren ist das verboten. Der Katzenzüchter ist sich aber sicher: „Anhand der Fotos kann ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen, dass es sich um echte Servale handelt!“.

Die Krone-Tierexpertin, die neben dem Serval-Experten auch ein Kamerateam von Krone TV dabei hatte, fuhr zu Bezirkshauptmann Dr. Heinz Zimper nach Baden. Dort bat sie ihn um ein Interview und äusserte neuerlich die Bedenken, dass es sich nicht um eine Hauskatze sondern um einen echten Serval und damit ein Raubtier handelt.

„Ich habe den Bezirkshauptmann gebeten einen weiteren Experten hinzuzuziehen“, so Entenfellner, die den Stellvertretenden Direktor des Tiergartens Schönbrunn Dr. Harald Schwammer ins Spiel brachte. Dieser war sofort bereit zu helfen und kam nach Oberwaltersdorf. Gemeinsam mit dem Bezirkshauptmann persönlich fand im Haus der russischen Familie eine Überprüfung statt. Im Anschluss an die Überprüfung stellte der Zoologe Dr. Schwammer klar: „Es handelt sich um echte Servale!“.

Wie Serval-Experte Rehberger bestätigte auch Dr. Schwammer die Echtheit der Tiere und die von ihnen ausgehende Gefahr. „Die beiden Katzen kommen in den nächsten Monaten in die Pubertät, da wird auch ihr Jagdinstikt größer und sie können durchaus Hühner, Katzen und sogar Hunde als ihre Beute jagen“, so der Experte.

„Die Tiere sind im Grunde sehr zutraulich, das heißt, sie kommen auch auf Menschen, besonders Kinder zu. Sie lieben Pelze, Federn und lange Haare. Das birgt aber eine gewisse Gefahr in sich. Wenn sich der Serval mit seiner Pfote in den langen Haaren eines Kindes verfängt und dieses in Panik gerät, sich wehrt oder schreit, dann kann es schon sein, dass sich der Serval wehrt und das Kind verletzt!“, so Rehberger.

Ausserdem müssen solche Raubtiere laut Experten auch in einem Gehege mit 30 Quadrtratmeter Außen- und 20 Quadratmeter Innenfläche gehalten weden. Die Unterbringung der beiden Katzen in dem Wohnhaus im Fontana sei absolut unzureichend, sagen die beiden Experten.

Daher ordnete Bezirkshauptmann Dr. Zimper die Beschlagnahmung der beiden Katzen an. Bevor diese jedoch ordnungsgemäß durchgeführt werden kann, muss erst ein Platz in einem österreichischen Zoo für die Tiere gefunden werden. „Derzeit besteht keine Gefahr im Verzug, da ich angeordnet habe, dass die Besitzer dafür zu sorgen haben, dass die beiden Katzen im Haus eingesperrt bleiben müssen“, so Zimper im Interview mit Krone TV. Dr. Schwammer versuchte anschließend, leider vorerst ohne Erfolg einen Platz für die beiden Katzen zu bekommen. Schließlich gelang es eine „Notlösung“ für die vorübergehende Unterbringung der beiden Katzen zu finden.

Wie wir von Maggie Entenfellner ein paar Tage später efuhren, kam es aber neuerlich zu einer Wende im Fall der beiden Servale. „Noch bevor die beiden Servale beschlagnahmt werden konnten, wurden sie scheinbar ausser Landes gebracht“, so Entenfellner. Gerüchte, wonach der Amtstierarzt vor der Beschlagnahmung der beiden Katzen, diese Amtshandlung bei den Besitzern angekündigt haben soll, konnten weder bestätigt noch dementiert werden.

Obwohl wir mehrfach versucht haben, Bezirkshauptmann Dr. Heinz Zimper bezüglich einer Stellungnahme und dem derzeitigen Sachverhalt zu erreichen, ist uns das nicht gelungen. Zwei Mal wurde uns ein Rückruf versprochen, der allerdings bis Redaktionsschluss bedauerlicher weise nicht erfolgt ist. Wir fragen uns natürlich warum und ob es in der Angelegenheit etwas zu verheimlichen gibt?

Offensichtlich ist bei der Beurteilung und Einschätzung ob es sich um eine Hauskatze oder um echte Wildkatzen handelt, die Behörde falsch gelegen.

Zwischenzeitlich beschäftigt sich auch der Nationalrat mit der Causa. Eine Anfrage des steirischen FPÖ Abgeordenten Josef Riemer an die Bundesministerin für Gesundheit wurde am 15. Oktober 2015 eingebracht. Darin will der Abgeordnete vom Bundesministerium wissen, ob die Angelegenheit im Ministerium bekannt ist, welche Informationen vorliegen und ob es sich tatsächlich um einen echten Serval handelt.

Jetzt mögen manche vielleicht meinen, viel Wirbel um nichts. Soweit stimmt das natürlich, da bisher nichts passiert ist. Wenn es aber tatsächlich dazu gekommen wäre, was würden die Oberwaltersdorfer dann sagen?

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