Pater Fabian: „Ich gebe den Glauben nicht auf!“

Pater Fabian: „Ich gebe den Glauben nicht auf!“

Seit September 2012 wird der damalige Traiskirchner Pfarrer Dr. Fabian Vordermayer (49) beschuldigt, seinen um 23 Jahre jüngeren Freund sexuell missbraucht und vergewaltigt zu haben. Deswegen wurde der ehemalige Pfarrer im Dezember 2013 am Landesgericht in Wiener Neustadt zu vier Jahren Haft verurteilt. Obwohl der Oberste Gerichtshof (OGH) im April 2015 einen Teil seiner Nichtigkeitsbeschwerde anerkannte und mehrere Anklagepunkte fallen ließ, beließ das Oberlandesgericht die Strafe auf vier Jahre. Als Grund wurde die Notwendigkeit einer „Präventivstrafe für katholische Würdenträger“ angeführt. „Ein Witz“, so der Anwalt von Fabian Vordermayer, Michael Dohr. „Das Urteil ist eine Zumutung für einen Rechtsstaat“, so der Anwalt, der eine Wiederaufnahme des Verfahrens beantragte. Für den ehemaligen Geistlichen die letzte Chance nicht ins Gefängnis zu müssen.

Vier Jahre Haft – so lautete das Urteil für den ehemaligen Pfarrer von Traiskirchen, Dr. Fabian Vordermayer. Doch der ehemalige Pfarrer will gegen dieses aus seiner Sicht „zu tiefst ungerechte Urteil“ kämpfen.

Niemals, so beteuert er immer wieder, habe er einen damals 22 Jahre alten Mann missbraucht und dafür sogar betäubt. „Es war eine Liebesbeziehung“, beteuert Pater Fabian immer wieder. Doch das Landesgericht in Wiener Neustadt stützt sich bei seinem Schuldspruch auf die Tatsachenannahme, dass zwischen dem Pfarrer und dem Opfer eine „außergewöhnlich innige – so doch platonische Freundschaft“ bestand. Das, obwohl zahlreiche Zeugen, darunter der ehemalige Traiskirchner Bürgermeister Fritz Knotzer, von mehr als nur einer „Freundschaft“ sprechen. Auch unzählige Fotos, welche den Pfarrer und seinen um 23 Jahre jüngeren „Freund“ in eindeutig mehr als freundschaftlicher Pose zeigen, sowie Liebesbriefe werden vom Gericht nicht als Beweis einer „Liebesbeziehung“ ausgelegt.

Rückblick:

Dr. Fabian Vordermayer studierte Theologie an der Uni in Salzburg und war von 1994 bis 2007 Religionslehrer. 2007 trat er in das Benediktinerstift Melk ein und nahm von 2008 bis 2009 am Pastoralkurs der Erzdiözese Wien teil. 2009 wurde er in Melk zum Priester geweiht, ehe er 2010 zum Pfarrprovisor der Pfarre Traiskirchen ernannt wurde. Dort lebte sich Pater Fabian rasch ein, war bei der Pfarrgemeinde sehr beliebt und sorgte für eine Zunahme der Kirchenbesuche. Er war überall gerne gesehen, sogar Landeshautpmann Dr. Erwin Pröll war vom wortgewaltigen Pfarrer begeistert. Bei einer Weinfesteröffnung in Traiskirchen scherzten die beiden vor versammelten Festgästen.

Noch während seiner Zeit im Benediktinerstift Melk entwickelte sich zwischen Fabian und einer Familie mit fünf Kindern eine intensive Freundschaft. Besonders zu dem damals bereits erwachsenen Sohn, der längere Zeit in Costa Rica lebte, wo ihn der Pater auch besuchte. Immer wieder verbrachten der Pfarrer und der junge Mann zwischen 2010 und 2012 Zeit miteinander oder gingen gemeinsam auf Reisen. Bei einer Romreise im Juli 2010 entwickelte sich laut Vordermayer eine sexuelle Beziehung. Im September 2011 zog der junge Mann dann in die Gästewohnung der Pfarre Traiskirchen ein, wo er bis Febraur 2012 lebte. Anfang Juni 2012 beendete der damals 22-Jährige dann laut Vordermayer via Skype die Beziehung.

Fabian Vordermayer wollte die Beziehung nicht so schnell aufgeben und um seinen „Lebenspartner“ kämpfen. Immer wieder dürfte er versucht haben, den jungen Mann zu kontaktieren. Das wurde im später zum Verhängnis, denn die Polizei ermittelte gegen den Pfarrer wegen beharrlicher Verfolgung. Doch das war nicht alles, was dem damaligen Pfarrer von Traiskirchen zur Last gelegt wurde. Beamte der Polizei durchsuchten den Pfarrhof in Traiskirchen, denn gegen den Benediktiner gab es eine Anzeige wegen Sexuellen Missbrauch und Vergewaltigung.  Über einen längeren Zeitraum soll der Pfarrer den jungen Mann mit Guttanotte-Tropfen sexuell gefügig gemacht haben. Bei der Hausdurchsuchung wurde ein ärztlich verordnetes Schlafmittel sichergestellt. Später wurde von einem Sachverständigen festgestellt, dass Substanzen, die auch in dem Schlafmittel vorhanden sind, vom Opfer zumindest einmal eingenommen oder verabreicht wurden.

Eifersucht und Hass unter Mitbrüdern?

Die Mitbrüder des Paters aus dem Stift Melk reagierten ungewöhnlich. In einer Presseaussendung behaupteten sie, es handle sich um einen Jugendlichen der Pfarre des Paters und bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung rückte der Abt vom Stift Melk, Georg Wilfinger und sein Pressesprecher den beliebten Pfarrer in ein schiefes Licht. Wie am Silbertablett servierten die Benediktiner ihren Mitbruder als schlechten Menschen, brachten unfassbare Details und bezichtigten den Pfarrer sogar, dass er einen Generalschlüssel des Stiftes gestohlen habe. Hinter vorgehaltener Hand hörte man immer wieder das Gerücht, dass der Traiskirchen Pfarrer durch seine Beliebtheit und seinen schnellen Aufstieg von einigen im Stift als „Gefahr“ bezeichnet wurde. Sogar von „persönlichem Hass auf Pater Fabian“, war die Rede.

Doch die Traiskirchner ließen sich davon nicht beeindrucken, sie kämpften für „ihren Pfarrer“, sammelten Unterschriften und traten offen für ihn ein. Auch vor Gericht kamen viele als Zeugen geladen und erklärten, dass die Beziehung zwischen dem Pfarrer und dem jungen Mann mehr als eine Freundschaft war. Dennoch wurde Dr. Fabian Vordermayer am 6. Dezember 2016 zu vier Jahren Haft verurteilt. Der Nichtigkeitsbeschwerde gegen das Urteil wurde vom OGH im April 2015 teilweise stattgegeben. Bei der Strafberufung im Juli 2015 wurde die Strafe auf drei Jahre und vier Monate reduziert.  Im Jänner 2016 erhöhte das Oberlandesgericht in Wien die Strafe erneut auf vier Jahre und das Urteil wurde rechtskräftig.

Wiederaufnahme mit neuen Zeugen:

Mit der Rechtskräftigkeit des Urteils bestand auch die Möglichkeit auf einen Wiederaufnahmeantrag, der bereits von Anwalt Michael Dohr eingebracht wurde. In einem Schreiben der Staatsanwaltschaft vom 27. Jänner 2016 äussert sich diese ablehnend. Grund der Wiederaufnahme sollen neue Zeugen sein. Ein deutsches Ehepaar hatte sich in der Zwischenzeit gemeldet, sie beobachteten in einem Münchner Lokal Pater Fabian mit dem jungen Mann beim Austausch von Zärtlichkeiten. In einer Eidesstattlichen Erklärung spricht das Paar von Zungenküssen und Intimitäten wie sie nur Liebespaare ausstauschen. Mit diesen Zeugen soll laut Anwalt Dohr jetzt bewiesen werden, dass es sich um eine Liebesbeziehung und nicht nur um eine „außergewöhnlich innige – so doch platonische Freundschaft“ gehandelt hat. Für die Staatsanwaltschaft stellen die vom Paar „wahrgenommen Zungenküsse“ keine „urteilsgegenständlichen geschlechtlichen Handlungen“ dar. „Beobachtungen zu sexuellen Berührungen konnten auch die nunmehr neu vorgebrachten Zeugen nicht machen“,  heißt es in der Stellungnahme der Staatsanwaltschaft.

Jetzt muss ein anderer Richter am Landesgericht in Wiener Neustadt über eine Wiederaufnahme entscheiden. Bis dahin hat das rechtskräftige Urteil „hemmende Wirkung“ und Fabian Vordermayer muss seine Haftstrafe noch nicht antreten. In einem Interview mit der MONATSREVUE vertraut der ehemalige Traiskirchner Pfarrer auf „Gerechtigkeit“ und darauf, dass er unschuldig ist!

 

Interview mit Pater Fabian:

Herr Vordermayer, wie geht es Ihnen persönlich, nachdem das Urteil jetzt rechtskräftig ist?

Fabian Vordermayer: Natürlich geht es mir nicht gut damit rechtskräftig verurteilt zu sein. Aber ich sehe das als notwendiges Übel. Ein rechtskräftiges Urteil ist die Voraussetzung für ein Wiederaufnahmverfahren – und ich bin zuversichtlich, dass dieses zutiefst  ungerechte Urteil nicht aufrecht bleibt. Ich warte jetzt schon sehr lange darauf, meine Unschuld beweisen zu können.

Haben Sie Angst vor einer negativen Entscheidung im Wiederaufnahmeverfahren? 

Fabian Vordermayer: Mit dieser Angst versuche ich mich erst gar nicht zu beschäftigen. Das Wiederaufnahmeverfahren  ist ja keine Bitte um Gnade, ich will zu meinem Recht kommen. Ich werde zu Unrecht beschuldigt. Deshalb beschäftige ich mich nicht mit dem Gedanken, was passieren könnte. Ich glaube an den Rechtsstaat.

Wie geht es Ihnen im Augenblick persönlich? Wo leben Sie?

Fabian Vordermayer: Ich lebe derzeit in Berlin. Ich bin Mitglied des Stifts Melk, also nicht mittellos. Aber ich war mit Leib und Seele Pfarrer und ich habe diese Aufgabe meiner Meinung nach auch sehr gut gemacht. Auch die Bevölkerung in Traiskirchen sieht das so! Natürlich habe ich die Hoffnung, nach dieser für mich so schweren Zeit wieder als Pfarrer arbeiten zu können.

Haben Sie noch Kontakt nach Traiskirchen und werden Sie von dort noch Unterstützt? 

Fabian Vordermayer: Ich habe, nachdem die Vorwürfe aufgetaucht sind enorme Unterstützung in meiner Pfarre erfahren, bis hin zu den Unterschriftenlisten, wo innerhalb weniger Tage allein in Traiskirchen über 1640 Unterschriften für mich gesammelt wurden. Noch immer bin ich mit vielen Menschen in Traiskirchen in Kontakt. Tatsächlich vergeht kein Tag, an dem ich nicht zu jemandem aus meiner Traiskirchner Pfarre Kontakt habe.

Was waren Ihre größten Enttäuschungen die Sie erleben mussten?

Fabian Vordermayer: Für mich war es in erster Linie ein Desaster, dass ein Mensch, den ich geliebt habe, mir das antut. Ein traumatisches Erlebnis. Ich habe mich in der Öffentlichkeit nicht direkten Angriffen ausgesetzt gesehen, aber natürlich sind viele Kontakte abgebrochen. Eine große Enttäuschung für mich war, dass im Stift Melk selbst eher den Gruselgeschichten vom Vater des angeblichen Opfers geglaubt wurde. Während der Vater meines damaligen Lebensgefährten  von Abt Gregor eingeladen wurde, vor meiner Gemeinschaft die Vorwürfe zu erheben, wurde mir die Möglichkeit ,dazu öffentlich Stellung zu nehmen, nicht eingeräumt. Das ist unfassbar!

Wie war für Sie das bisherige Verfahren?

Fabian Vordermayer: Wir haben schon im ersten Prozess Liebesbriefe des angeblichen Opfers an mich vorgelegt. Handgeschriebene Briefe mit Herzchen von ihm. Ein Zeuge hat gesehen, dass er mich zum Abschied auf den Mund geküsst hat. Da meinte das Gericht, man soll das nicht überbewerten, es handle sich um eine „außergewöhnliche platonische Freundschaft“. Als ob es bei uns üblich ist, dass sich zwei Männer in einem Cafe einen Kuss auf dem Mund geben. Nach all den Skandalen in der KIrche, hier vor allem die unsäglichen Missbrauchsvorwürfe, glaubt man einem Pfarrer offenbar in diesem Zusammenhang nichts. Allein die Tatsache, dass der 25-jährige Mann sich von Beginn unserer Freundschaft an von mir angeblich sexuell belästigt fühlte, aber dennoch seine gesamte Freizeit mit mir verbrachte, mit mir in den Urlaub fuhr und zu mir in den Pfarrhof zog, nachdem ich bereits ungewollte Handlungen gesetzt haben soll, ist doch völlig unglaubwürdig.

Was sind das für neue Beweise, von denen Sie sich eine Wende im Prozess erhoffen? 

Fabian Vordermayer: Es gibt zwei Zeugen, die berichten, wie wir in einem Cafe Zungenküsse und  Zärtlichkeiten ausgetauscht haben; dass wir eindeutig ein Liebespaar waren. Ein Kuss auf den Mund zum Abschied darf laut Erstgericht nicht überbewertet werden, aber Zungenküsse in der Öffentlichkeit? Ich frage: Welcher Mann macht das mit einem anderen Mann bei einer rein platonischen Freundschaft? Oder handelt es sich dabei nicht doch eindeutig um ein Liebespaar?

Verliert man in Ihrer Situation den Glauben? 

Fabian Vordermayer: Man hinterfragt natürlich vieles, aber ich habe den Glauben an die Gerechtigkeit nicht verloren und bin überzeugt, dass ich nicht ins Gefängnis muss, denn ich werde zu Unrecht beschuldigt. Ich habe nach all dem auch nicht den Glauben an Gott verloren!

Danke Herr Vordermayer für das Gespräch und alles gute für Ihre Wiederaufnahme!

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