Pensionisten kämpfen um ihr Recht!

Pensionisten kämpfen um ihr Recht!
Oberwaltersdorf

Das ORF Magazin „Thema“ beleuchtet in der aktuellen Sendung vom 1. Oktober 2018 das Schicksal von drei Pensionisten aus Oberwaltersdorf. Diese kämpfen verzweifelt darum, in ihrer gewohnten Umgebung leben zu können. Doch seit  mehreren Jahren ist das für die schwer gezeichneten Pensionisten ein echter Überlebenskampf!

 

„Schön, dass sie wieder hier sind, Frau Fischer“, fällt die 84-jährige Hildegard Vaga unter Tränen ihrer 89-jährigen Nachbarin Maria Charlotte Fischer in die Arme. Frau Fischer, die seit einigen Monaten im Pflegeheim in Baden stationär aufgenommen ist, besucht ihr zu Hause in der Siedlerstraße in Oberwaltersdorf. Dort leben die beiden Pensionistinnen seit 1994. Damals sind sie in die relativ günstigen Gemeindewohnungen eingezogen und haben sich in den öffentlichen Bauten in Sicherheit gewogen, hier auch alt werden zu können.

Doch die Marktgemeinde Oberwaltersdorf schlitterte vor mehr als acht Jahren in arge finanzielle Turbulenzen. Die von der ehemaligen SPÖ-Bürgermeisterin gegründete „Oberwaltersdorfer Kommunalbetriebs GmbH“, kurz OKOG, in der neben dem Veranstaltungszentrum Bettfedernfabrik auch sämtliche Gemeindewohnungen eingebracht wurden, schlitterte in Zahlungsschwierigkeiten. Nach der Gemeinderatswahl 2010 übernahm ÖVP Bürgermeister Markus Gogollok die Gemeindeführung und schickte die OKOG in Konkurs. Im Zuge des Insolvenzverfahrens wurden die eingebrachten Gemeindewohnungen verkauft. Die Opposition sprach damals vom „dümmsten Konkurs“ Niederösterreichs, da die Gläubiger mit über 81% bedient werden konnten, die Gemeindeimmobilien aber weg waren.

Durch den Konkurs wurden auch die Gemeindewohnungen in der Siedlerstraße, in der vorwiegend sozial schwache Bürger untergebracht waren, an Immobilienfirmen verkauft. Im September 2013 kaufte dann die heutige Eigentümerin, eine Immobilienfirma aus Wien, um 400.000 Euro das 2.800m2 große Grundstück, auf dem sich mehrere Gebäude mit vermieteten Wohnungen befinden. „Als erstes wurde der Instandhaltungsbetrag ordentlich erhöht, was die Gesamtkosten der Wohnungen mehr als verdoppelte“, so Cornelia Ritter, die Tochter von Frau Fischer. Dann sollen einige vom Vermieter ein Angebot bekommen haben, gegen einen Geldbetrag innerhalb eines gewissen Zeitraums die Wohnung zu verlassen, was teilweise auch angenommen wurde. Für die verbleibenden Mieter ging es dann Schlag auf Schlag. Obwohl die Mieter monatlich einen Strom- und Heizkostenanteil einbezahlten, wurde den Mietern vom Energieversorger das Gas abgedreht. Weiters durfte der Garten plötzlich nicht mehr genützt werden, die Satellitenschüsseln mussten abmontiert werden und unbekannte Männer, die nachts in der Wohnhausanlage herumgingen, sorgten bei den Bewohnern für Angst und bei der Polizei für mehrere Einsätze.

In dem Haus Nummer 28 wohnen heute nur mehr Frau Fischer und Frau Varga, sowie der 71-jährige Invalide Peter Pagjura. Die drei Pensionisten sehen sich derzeit mit insgesamt 9 Klagen seitens der Vermieterin konfrontiert. Es soll sich hauptsächlich um Räumungsklagen handeln, sowie um eine Klage, da kein Wohnbedarf mehr vorhanden sei, bestätigt auch der Anwalt der drei Pensionisten Mag. Erhard Donhoffer. Wie weit die Vermieterin bei dem Versuch, die Pensionisten aus den Wohnungen zu bekommen, geht, zeigt der Einsatz eines Detektivs Anfang des Jahres.

Nachdem sich der Gesundheitszustand von Frau Fischer im Herbst 2017 verschlechtert hatte, wurde sie stationär im Landespflegeheim in Baden aufgenommen. Am 11. Jänner 2018 erkundigte sich ein von der Vermieterin beauftragter Detektiv über die Pensionistin im Pflegeheim. „Ich war sehr geschockt, als ich dann vor Gericht erfuhr, dass der Detektiv über den Gesundheitszustand meiner Mutter Auskunft bekam und sogar die Pflegestufe wusste. Laut dem Protokoll soll man ihm damals sogar gesagt haben, dass Patienten mit der selben Pflegestufe das Pflegeheim nicht mehr verlassen“, so die schockierte Tochter über das Vorgehen der Vermieterin und die „Auskunftsfreudigkeit“ über persönliche und medizinische Daten des Landespflegeheimes.

Die Umstände, wie die Vermieterin versucht, die Mieter aus ihren Wohnungen zu bekommen, hat jetzt auch die ORF Thema Redaktion auf den Plan gerufen und diese berichtet in der letzten Sendung über den Fall aus Oberwaltersdorf. Dort wollen Pensionisten nur eines, in Ruhe leben!

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