Reaktionen auf „Bürgermeister-Impfung“

Nach dem MONATSREVUE Bericht in der letzten Woche gab es zahlreiche Reaktionen

Wie die MONATSREVUE berichtete, wurde der Pottendorfer SPÖ-Bürgermeister Thomas Sabbata-Valteiner am 14. Jänner 2021 im Landespflege und Betreuungszentrum in Pottendorf gegen Coroa geimpft. Er wurde vom Direktor der Pflegeeinrichtung Martin Wieczorek gebeten, die Impfung anzunehmen ebenso wie der örtliche Pfarrer und der Kaplan. Für den Direktor sind alle drei wichtige Bezugspersonen für die Bewohner. Nach dem Bekanntwerden der Impfung sorgte diese in den Medien sowie in den sozialen Netzwerken für heftig Reaktionen. 

Unter anderem ärgerte sich eine Pottendorferin, welche sich nur wenige Tage zuvor beim Bürgermeister über die Möglichkeit einer Impfung ihrer in Pottendorf Zweitwohnsitz gemeldeten Mutter erkundigte und damals vertröstet wurde. Laut Sabbata-Valteiner wurde die Frau von ihm darüber informiert, dass es seitens der Gemeinde (zu diesem Zeitpunkt) noch keine Anmeldeliste gab. Ausserdem betont Sabbata-Valteiner, dass man sich in jener Gemeinde zur Impfung anmelden muss, in der man Hauptwohnsitz gemeldet ist. 

Auf Facebook nahm der Bürgermeister zu seiner Impfung ausführlich Stellung: „Für mich ist ganz klar, dass ich aus heutiger Sicht die Impfung ablehnen würde, aber nicht, weil ich an der Impfung zweifle, sondern weil es nun auch schon dementsprechende Listen gibt mit weiteren Personen, die sich auch impfen lassen möchten und die Impfung auch unbedingt benötigen“, so der Ortschef. Er kündigte auch an, dass er nach Gesprächen mit den örtlich ansässigen Ärzten, derzeit bespricht, wie die Impfung in der Großgemeinde organisiert wird. Auf die Medienberichte gab es unterschiedliche Reaktionen. Von massiver Kritik bis Unterstützung reichten die Kommentare. 

Kritik kam auch von der Opposition. „Als unser Herr Bürgermeister sein eigenes Profilbild auf Facebook geändert und dort stolz verkündet hat, dass er geimpft ist, da hat es mir die Sicherungen herausgehaut“, so der geschäftsführende ÖVP Gemeinderat  Mag. Friedrich Völkl. „Höflich formuliert ist es eine extrem mangelnde Sensibilität“, so Völkl, der davon überzeugt ist, dass der Bürgermeister die Annahme der Impfung verweigern hätte müssen und einen anderen, älteren Mitbürger vorschlagen hätte sollen. „Das ist feig und für mich ist das Machtmissbrauch“, so der VP-Politiker. Dass der Pfarrer und der Kaplan auch geimpft wurden, empfindet er als „lächerlich“. „Beim Pfarrer finde ich es vielleicht noch argumentierbar, da dieser die letzten Ölungen spendet. Aber auch hier sehe ich es genau so verwerflich, dass sie sich impfen haben lassen, vor allem beim jungen Kaplan“, so Völkl. „Ich finde es absolut letztklassig“, so der ÖVP-Gemeinderat, der auch dem Gesundheitsminister geschrieben hat, er möge derartige Impfungen unterbinden. 

„Ich bin ganz sicher kein Drängler gewesen, der sich eine Impfung erschlichen hat“, betont der Pottendorfer Pfarrer Josef Lippert auf Anfrage der MONATSREVUE. „Ich wurde vom Direktor des Pflegeheims angerufen und informiert, dass Impfungen übergeblieben sind und er hat mich gebeten, ob ich mich nicht impfen lassen würde. Ich hatte den Eindruck, dass ich vom Pflegeheim als einer von Ihnen gesehen werde, da ich ja regelmässig dort bin“, so der Pfarrer. Er habe gar nicht darüber nachgedacht und schon gar nichts böses darin gesehen, die Impfung anzunehmen, betont er. „Mir ist es sehr schlecht gegangen“, beschreibt der Pfarrer die Situation, als die Diskussionen über die Impfung öffentlich geführt wurden. „Ich habe dem Bischofsvatikar auch gesagt, wenn die Bevölkerung mich dafür verurteilt und kein Vertrauen mehr in mich hat, dann werde ich zurücktreten“, so der Pfarrer. Er erhielt zwar Anfragen, wie oft er im Pflegeheim sei, Kritik aus seiner Pfarre kam aber kaum.

Schützenhilfe für den Bürgermeister kam unter anderem von seinem Kollegen aus Pottenstein. „Wir Bürgermeister stehen an vorderster Front und leisten einen erheblichen Beitrag zur Bewältigung dieser Pandemie – während die Bundesregierung ankündigt und redet sind wir es in den Gemeinden die umsetzen“, so der Pottensteiner Bürgermeister Daniel Pongratz (SPÖ) auf Facebook. „Meines Erachtens zählen Gemeinden zur kritischen Infrastruktur, denn unsere Bediensteten aus allen Bereichen sowie die kommunalen Amtsträger sind es, die im ständigen Kontakt mit den BürgerInnen sind und dadurch einem erheblichen Gesundheitsrisiko ausgesetzt sind. Thomas Sabbata-Valteiner hat richtig gehandelt, niemandem einen Impfstoff weggenommen und es sicher nicht notwendig, so in den Medien zerissen zu werden“, so der Bürgermeisterkollege aus Pottenstein via Facbook. 

Auch der Obmann der Kleinregion Otto Strauss stellt sich hinter den Ortschef von Pottendorf: „Alleine die Tatsache, dass sie ständig mit Bürgern in persönlichem Kontakt stehen und permanent kompetente Entscheidungen treffen müssen, bedeutet für mich, dass diese Personengruppe gleich zu Beginn zu impfen ist. Weiters ersuche ich, die dadurch erzeugte Vorbildwirkung zu berücksichtigen. Aus meiner Tätigkeit als Obmann der  Kleinregion und nach mehr als 30 Jahren Kommunalpolitik weiß ich zu gut, was Bürgermeisterinnen zu leisten haben“, so Strauss. 

Seitens der Landesgesundheitsagentur (LGA) wird der Vorfall geprüft und untersucht. 

Regionales Schaufenster
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